Ich kenne das. Ich war diese Frau.
Ich komme aus einer Familie starker Frauen. Sie waren alle selbstständig oder haben im Familienunternehmen mitgearbeitet, über Generationen. Sie haben alles geschafft und kaum für sich gelebt.
Ich habe es genauso gemacht: 14, 16 Stunden am Tag in meinem Business, immer mit dem Gedanken, erst mache ich das fertig, dann denke ich an mich. Fertig wurde ich nie.
Dann sah ich, wie meine Tochter anfing, genau dasselbe zu tun. Da wusste ich: Das muss bei mir aufhören.
Was ich in Australien gefunden habe
Seit ich denken kann, haben mich die Aboriginal people fasziniert. Diese tiefe Verbindung, die sie haben, zu sich, zur Erde und zu allem Lebendigen. Und wie sie trotz allem, was ihnen angetan wurde, in dieser Verbindung geblieben sind.
Vielleicht hat es mich so angezogen, weil ich etwas davon in mir kannte. Die Frauen meiner mütterlichen Linie hatten alle ein feines Gespür. Nur hatte es in unserer Familie nie einen Platz. Es wurde nicht gesehen, nicht gefördert, nicht gelebt.
Irgendwann war dieser Ruf so stark, dass ich ihm folgen musste. Ich wollte ihnen begegnen und von ihnen lernen. Also bin ich nach Australien gereist.
Doch die alte Christiane war mitgereist. Am Anfang kam ich gar nicht zur Ruhe. Ich habe geplant, organisiert, gemacht, sogar dort.
Dann kam der Uluru. Schon als ich aus dem Flugzeug stieg, war es da. Ich spürte das Land und seine Menschen, all das Leid und all das, was sie trotzdem daraus gemacht haben. Zum ersten Mal kam ich wirklich mit Aboriginal people ins Gespräch. Und dort begann die tiefste Verbindung meines Lebens.
Von da an ließ ich mich führen, von Ort zu Ort, von Begegnung zu Begegnung. Und mit jedem Schritt wurde es in mir stiller.
Einer der stärksten Momente kam am Boomerang Beach. Eine Woche lang wohnten wir in einem Strandhaus, vor dem die Wale vorbeizogen. Dort wurde ich angeleitet und geführt, auf eine Art, die ich bis heute kaum in Worte fassen kann.
Ich war ganz in mir. Nicht mehr neben mir, nicht mehr irgendwo da draußen, sondern endlich wirklich bei mir.
Und in dem Moment, in dem ich so tief mit mir verbunden war, war ich plötzlich auch mit allem verbunden. Mit dem Meer, mit dem Land, mit allem Lebendigen. Unendlich stark.
Ich habe geweint. Weil ich gespürt habe, wie es ist, wieder zu Hause zu sein. In mir. Und aus dieser Rückverbindung kam eine Ruhe, die ich so noch nie erlebt hatte.
Ich schaute auf das Meer und verstand: Ich muss die Wellen nicht aufhalten. Egal wie hoch sie sind, es kommt nur darauf an, ob ich gegen sie ankämpfe oder mich von ihnen tragen lasse.
Und ich habe gespürt, wie kraftvoll unsere weibliche Energie ist, wenn wir aus ihr schöpfen, statt sie zu unterdrücken. Dass wir Frauen anders sind als Männer. Und dass genau darin unsere Stärke liegt.
Das Gespür, das in meiner Familie nie einen Platz hatte, hatte endlich Raum.